Julius Stockhausen 

Im Jahr 2011 erhielt der Förderverein des Brahms-Instituts den Teilnachlass von Julius Stockhausens Enkelin Renate Wirth, dessen umfangreiches Quellenmaterial in besonderer Weise neue Forschungsansätze zum Leben und Wirken des Sängers ermöglicht.

Stockhausen, der zu seiner Zeit in der Musikwelt als Sänger, Dirigent und Pädagoge äußerst anerkannt war, wurde 1826 in Paris als Sohn eines Harfenisten und einer Sängerin geboren. Seine Gesangsausbildung erhielt er am Pariser Konservatorium, bevor er sich im deutschsprachigen Raum einen Namen als Liedsänger vor allem der Werke von Brahms, Schubert und Schumann machte – sowohl bei Liederabenden im kleineren Kreise als auch bei Abonnementskonzerten und Musikfesten. Mitte der 1860er Jahre führte ihn eine Anstellung als Leiter der Philharmonischen Konzerte und der Singakademie nach Hamburg, eine Position, mit der zu dieser Zeit übrigens auch Brahms liebäugelte. Nach weiteren Stationen Stockhausens als Dirigent und Pädagoge gründete er 1880 seine eigene Gesangsschule.

Immer wieder konzertierte der Bariton auch mit Johannes Brahms und Clara Schumann, mit denen ihn seit den 1850er Jahren eine enge Künstlerfreundschaft verband. In erster Linie waren es seine von Publikum und Kritikern vielgelobten Liedinterpretationen und seine neuen Programmkonzepte, die ihn zu einem Wegbereiter der deutschen Gesangskultur werden ließen. Besonders innerhalb der Schubert-Rezeption ist Julius Stockhausen bedeutend. Bis viele Jahre nach Schuberts Tod war es üblich, aus einem Liedzyklus lediglich nur einzelne Lieder zur Aufführung zu bringen. Stockhausen beschäftigte sich jedoch schon während seiner Gesangsausbildung intensiv mit der Literatur und deren rhetorischem Vortrag, sodass es ihm zu verdanken ist, den Zyklus als ›Zyklus‹ wiederentdeckt zu haben. So hat er in Wien im Mai 1856 Schuberts Die schöne Müllerin zum ersten Mal vollständig aufgeführt.

Anfang Oktober 2014 wurde von Sarah Hodgson M. A. mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des umfangreichen Quellenmaterials begonnen. Im Rahmen der dazu eingerichteten Doktorandenstelle, die von der Possehl-Stiftung gefördert wird, wird eine Studie über Julius Stockhausen auf Grundlage des Nachlasses entstehen. Das umfangreiche Quellenmaterial wie Briefe, Fotos, Textbücher und Notenausgaben mit handschriftlichen Eintragungen des Sängers bietet eine einzigartige Möglichkeit, Einblicke in das Leben, musikalische Wirken und die ästhetischen Überzeugungen bei seinen Interpretationen von Texten und Musik zu erhalten. Da bisher keine von Stockhausens Tonaufnahmen gefunden werden konnte, stellen speziell die Quellen mit zahlreichen Anmerkungen des Sängers eine Möglichkeit dar, sein künstlerisches Wirken als Interpret nachzuvollziehen.

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