
Julius Spengel (1853 - 1936)
Die Publikation
zum Projekt ist
im Shop erhältlich! |
Im April 2005 fand die Erschließung des im
Besitz des Brahms-Instituts befindlichen Nachlasses
von Julius Spengel mit einer Präsentation der
Publikation zu Nachlasser und Nachlass, Julius
Spengel. Ein Brahms-Freund zwischen Identifikation
und Emanzipation, ihren Abschluss. Erarbeitet
wurde das Projekt von Frau Dr. Christiane Wiesenfeldt.
Das Konvolut des Hamburger Komponisten und Dirigenten
umfasst mehr als 600 Stücke: 19 Musikmanuskripte
(Lieder und Instrumentalwerke), 48 Manuskripte von
Bearbeitungen musikalischer Werke anderer Komponisten
(u. a. Schubert, Schumann, Brahms, Kirchner), 23 literarische
Manuskripte (u. a. Gedichtabschriften), 314 Briefe
Fremdkorrespondenz (an Spengel u.a. von Gade, Richard
Strauss, Pfitzner, Brahms-Umkreis), 146 Briefe Familienkorrespondenz
und 25 Lebensdokumente (Zeugnisse, Urkunden u. ä.).
Bei der Erfassung erhielt jedes Stück einen
eigenen Datensatz, in dem formale Angaben wie z. B.
Herkunft, Erhaltungszustand und Entstehungsdaten nachgewiesen
werden. Personen, die in den Briefen Erwähnung
finden, sind durch sogenannte Stammsätze vertreten,
deren Erfassung auf den Normdaten der Personennamendatei
(PND) beruht, soweit dort vorhanden. Für Benutzer
recherchierbar ist das Erschließungsergebnis
im Institut über unterschiedliche Registereinstiege
am PC. Der Katalog Julius Spengel. Ein Brahms-Freund
zwischen Identifikation und Emanzipation enthält
ein detailliertes Nachlassverzeichnis sowie eine wissenschaftliche
Abhandlung zu Spengel als Brahms-Freund, Dirigent
und Komponist auf der Grundlage der im Nachlass vorhandenen
Quellen. Er kann im Shop
erworben werden.
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Hintergründe zu Julius
Spengel
Julius Spengel (1853-1936) gehört zu den zentralen
Musikerpersönlichkeiten des jüngeren Brahms-Umkreises.
Wie Brahms in Hamburg geboren, engagierte Spengel
sich in der Hansestadt für die Verbreitung der
Werke seines 20 Jahre älteren Freundes. Vor allem
als Dirigent des Hamburger Cäcilienvereins machte
er sich um die Verbreitung der Brahmsschen Werke verdient.
So sind dem Engagement Spengels, der 1927 sein 50-jähriges
Dirigentenjubiläum feierte, einige Brahms-Uraufführungen
zu verdanken (darunter etwa die Motette "O Heiland,
reiß die Himmel auf" op. 74, Nr. 2 und
die Fest- und Gedenksprüche op. 109, des weiteren
zahlreiche Lieder und einige Klavierstücke).
Dass Spengel auch als Kopist von Brahms-Manuskripten
in Erscheinung trat, Brahms wiederum den beiden Töchtern
von Spengel das Lied "Da unten im Tale"
op. 97, Nr. 6 widmete und in den erhaltenen Briefen
an Spengel mehrfach seine Wertschätzung gegenüber
dem jüngeren Komponisten zum Ausdruck brachte,
dokumentiert die Bedeutung dieser Freundschaft weit
über das reine Konzertgeschäft hinaus.
Das zeitlebens breite Tätigkeitsfeld Spengels
im Hamburger Musikleben basierte auf seinen umfänglichen
Studien, die er bereits in jungen Jahren aufnahm.
Nach dem Klavier- und Theorieunterricht bei Karl Voigt,
dem Begründer des Hamburger Cäcilienvereins,
und dem Violinunterricht bei Ernst Heinrich Kayser
studierte der
14-Jährige für ein Jahr am Kölner Konservatorium
bei Ernst Rudorff, bevor er im Folgejahr seinem Kompositions-
und Klavierlehrer für ein vierjähriges Studium
an die Königliche Hochschule Berlin folgte (1868-1872).
Der Unterricht bei einigen zentralen Musikerpersönlichkeiten,
darunter der Brahms-Freund und berühmte Geiger
Joseph Joachim und der renommierte Konzertsänger
Adolf Schulze, dürfte der Anlass für erste
Kontakte zum Brahms-Umfeld und speziell seiner Musik
gewesen sein. Bevor Spengel 1878 die Direktion des
Cäcilienvereins übernahm, vertiefte er noch
seine Kontrapunkt-Kenntnisse bei Carl Georg Peter
Grädener, einem weiteren Brahms-Vertrauten, und
nahm bei Karl F. Armbrust, einem bekannten Hamburger
Musikkritiker und Dirigenten, Unterricht im Orgelspiel.
Spengels größtes Talent entfaltete sich
in der Vokalensemble-Leitung, so dass der Cäcilienverein,
wie Brahms einmal formulierte, der einzige Verein
in Hamburg sei, der "wirklich ausgezeichnet,
auch a capella singt - was bei den Hanseaten nicht
wenig heißen will." (Brahms an Franz Wüllner
im Herbst 1886).
Darüber war hinaus Spengel, der 1902 zum Königlichen
Musikdirektor und 1906 zum Königlichen Professor
ernannt wurde, Gesangslehrer und Organist, Konzertsänger
und -pianist und Bearbeiter zahlreicher Werke. Als
Komponist ist Julius Spengel weniger in Erscheinung
getreten, was die vergleichsweise geringe Zahl von
19 Werkmanuskripten aus seinem Nachlass unterstreicht.
Breitere Aufmerksamkeit erlangten kurzfristig einige
Liedkompositionen für gemischten Chor und die
Männerchöre op. 12. Zentrum seiner Kompositionen
wie der zahlreichen Bearbeitungen war die Vokalmusik
für den Konzertgebrauch, speziell die Werke für
Singstimme oder Chor mit Orchester, gelegentlich auch
Klavierauszüge.
Die Spengelschen Bearbeitungen klassischer und zeitgenössischer
Werke waren so gefragt, dass sich einige renommierte
Verlage entschlossen, sie zu veröffentlichen
und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Die Bedeutung Spengels lässt sich schließlich
besonders deutlich anhand der breitgefächerten
Korrespondenz ermessen, die im Nachlass enthalten
ist. Die Briefe, die bislang nur rudimentär inhaltlich
gesichtet worden sind, berühren vielfältige
Facetten des Musiklebens und der Zeitgeschichte der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Konvolut
stammt aus dem direkten Umfeld von international agierenden
Musikern, Komponisten und Dirigenten, zudem von prominenten
Persönlichkeiten der Zeit. Bedeutend sind vor
allem die Äußerungen zu zeitgenössischen
Persönlichkeiten aus dem Musikleben, die im Einzelfall
biographische Details wenn nicht korrigieren, so doch
ergänzen können.
[Christiane Wiesenfeldt]
An Literatur zu Julius Spengel ist bislang zugänglich:
1. Johannes Brahms an Julius Spengel.
Unveröffentlichte Briefe aus den Jahren 1882-1897
zusammengestellt und erläutert von Annemari Spengel,
Hamburg 1959.
2. Doris Braker: Neuerwerbungen des Brahms Archiv,
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg,
Jahresarbeit der Hamburger Bibliotheksschule 1965,
darin Beschreibungen von Briefen an Brahms von Spengel
u. A..
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