Julius Spengel (abgeschl. 2005)

Im April 2005 fand die Erschließung des im Besitz des Brahms-Instituts befindlichen Nachlasses von Julius Spengel mit einer Präsentation der Publikation zu Nachlasser und Nachlass, Julius Spengel. Ein Brahms-Freund zwischen Identifikation und Emanzipation, ihren Abschluss. Erarbeitet wurde das Projekt von Christiane Wiesenfeldt.

Das Konvolut des Hamburger Komponisten und Dirigenten umfasst mehr als 600 Stücke: 19 Musikmanuskripte (Lieder und Instrumentalwerke), 48 Manuskripte von Bearbeitungen musikalischer Werke anderer Komponisten (u. a. Schubert, Schumann, Brahms, Kirchner), 23 literarische Manuskripte (u. a. Gedichtabschriften), 314 Briefe Fremdkorrespondenz (an Spengel u. a. von Gade, Richard Strauss, Pfitzner, Brahms-Umkreis), 146 Briefe Familienkorrespondenz und 25 Lebensdokumente (Zeugnisse, Urkunden u.ä.).

Bei der Erfassung erhielt jedes Stück einen eigenen Datensatz, in dem formale Angaben wie z. B. Herkunft, Erhaltungszustand und Entstehungsdaten nachgewiesen werden. Personen, die in den Briefen Erwähnung finden, sind durch sogenannte Stammsätze vertreten, deren Erfassung auf den Normdaten der Personennamendatei (PND) beruht, soweit dort vorhanden. Für Benutzer recherchierbar ist das Erschließungsergebnis im Institut über unterschiedliche Registereinstiege am PC. Der Katalog Julius Spengel. Ein Brahms-Freund zwischen Identifikation und Emanzipation enthält ein detailliertes Nachlassverzeichnis sowie eine wissenschaftliche Abhandlung zu Spengel als Brahms-Freund, Dirigent und Komponist auf der Grundlage der im Nachlass vorhandenen Quellen.

Hintergründe zu Julius Spengel
[von Christiane Wiesenfeldt]

Julius Spengel (1853–1936) gehört zu den zentralen Musikerpersönlichkeiten des jüngeren Brahms-Umkreises. Wie Brahms in Hamburg geboren, engagierte Spengel sich in der Hansestadt für die Verbreitung der Werke seines 20 Jahre älteren Freundes. Vor allem als Dirigent des Hamburger Cäcilienvereins machte er sich um die Verbreitung der Brahms'schen Werke verdient. So sind dem Engagement Spengels, der 1927 sein 50-jähriges Dirigentenjubiläum feierte, einige Brahms-Uraufführungen zu verdanken (darunter etwa die Motette »O Heiland, reiß die Himmel auf« op. 74, Nr. 2 und die Fest- und Gedenksprüche op. 109, des weiteren zahlreiche Lieder und einige Klavierstücke).

Dass Spengel auch als Kopist von Brahms-Manuskripten in Erscheinung trat, Brahms wiederum den beiden Töchtern von Spengel das Lied »Da unten im Tale« op. 97, Nr. 6 widmete und in den erhaltenen Briefen an Spengel mehrfach seine Wertschätzung gegenüber dem jüngeren Komponisten zum Ausdruck brachte, dokumentiert die Bedeutung dieser Freundschaft weit über das reine Konzertgeschäft hinaus.

Das zeitlebens breite Tätigkeitsfeld Spengels im Hamburger Musikleben basierte auf seinen umfänglichen Studien, die er bereits in jungen Jahren aufnahm. Nach dem Klavier- und Theorieunterricht bei Karl Voigt, dem Begründer des Hamburger Cäcilienvereins, und dem Violinunterricht bei Ernst Heinrich Kayser studierte der 14-Jährige für ein Jahr am Kölner Konservatorium bei Ernst Rudorff, bevor er im Folgejahr seinem Kompositions- und Klavierlehrer für ein vierjähriges Studium an die Königliche Hochschule Berlin folgte (1868–1872).

Der Unterricht bei einigen zentralen Musikerpersönlichkeiten, darunter der Brahms-Freund und berühmte Geiger Joseph Joachim und der renommierte Konzertsänger Adolf Schulze, dürfte der Anlass für erste Kontakte zum Brahms-Umfeld und speziell seiner Musik gewesen sein. Bevor Spengel 1878 die Direktion des Cäcilienvereins übernahm, vertiefte er noch seine Kontrapunkt-Kenntnisse bei Carl Georg Peter Grädener, einem weiteren Brahms-Vertrauten, und nahm bei Karl F. Armbrust, einem bekannten Hamburger Musikkritiker und Dirigenten, Unterricht im Orgelspiel. Spengels größtes Talent entfaltete sich in der Vokalensemble-Leitung, so dass der Cäcilienverein, wie Brahms einmal formulierte, der einzige Verein in Hamburg sei, der »wirklich ausgezeichnet, auch a capella singt - was bei den Hanseaten nicht wenig heißen will.« (Brahms an Franz Wüllner im Herbst 1886).

Darüber hinaus war Spengel, der 1902 zum Königlichen Musikdirektor und 1906 zum Königlichen Professor ernannt wurde, Gesangslehrer und Organist, Konzertsänger und -pianist und Bearbeiter zahlreicher Werke. Als Komponist ist Julius Spengel weniger in Erscheinung getreten, was die vergleichsweise geringe Zahl von 19 Werkmanuskripten aus seinem Nachlass unterstreicht. Breitere Aufmerksamkeit erlangten kurzfristig einige Liedkompositionen für gemischten Chor und die Männerchöre op. 12. Zentrum seiner Kompositionen wie der zahlreichen Bearbeitungen war die Vokalmusik für den Konzertgebrauch, speziell die Werke für Singstimme oder Chor mit Orchester, gelegentlich auch Klavierauszüge.

Die Spengel’schen Bearbeitungen klassischer und zeitgenössischer Werke waren so gefragt, dass sich einige renommierte Verlage entschlossen, sie zu veröffentlichen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Bedeutung Spengels lässt sich schließlich besonders deutlich anhand der breitgefächerten Korrespondenz ermessen, die im Nachlass enthalten ist. Die Briefe, die bislang nur rudimentär inhaltlich gesichtet worden sind, berühren vielfältige Facetten des Musiklebens und der Zeitgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Konvolut stammt aus dem direkten Umfeld von international agierenden Musikern, Komponisten und Dirigenten, zudem von prominenten Persönlichkeiten der Zeit. Bedeutend sind vor allem die Äußerungen zu zeitgenössischen Persönlichkeiten aus dem Musikleben, die im Einzelfall biographische Details wenn nicht korrigieren, so doch ergänzen können.

An Literatur zu Julius Spengel ist bislang zugänglich:

  • Johannes Brahms an Julius Spengel. Unveröffentlichte Briefe aus den Jahren 1882 –1897 zusammengestellt und erläutert von Annemari Spengel, Hamburg 1959.
  • Doris Braker: Neuerwerbungen des Brahms Archiv, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Jahresarbeit der Hamburger Bibliotheksschule 1965, darin Beschreibungen von Briefen an Brahms von Spengel u. A..

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