|
In den näheren Brahms-Umkreis gehört auch das
umfangreiche Briefkonvolut August Walter. Die EDV-gestützte,
formale Erschließung durch das für Handschriften
und Nachlässe geeignete Datenbanksystems allegro-HANS
fand 2003 ihren Abschluss. Das Konvolut konnte 1996/97 für
das Institut von Augusts Enkel Peter Walter in Basel erworben
werden. Von den insgesamt 1584 Briefen, die einen Zeitraum
von immerhin 50 Jahren umspannen (1846-1895) und bis auf
zehn unveröffentlicht sind, entfallen 1100 auf den
Familien-Briefwechsel zwischen August Walter und seiner
zweiten Frau Anna Walter-Strauß (1846-1936). Der kleinere
Teil von 484 Schreiben umfasst die Korrespondenz Walters
mit zeitgenössischen Musikerpersönlichkeiten.
August Walter (1821-1896), deutscher Komponist, Geiger
und Dirigent, lebte seit 1846 in Basel, wo er mit Ernst
Reiter und Alfred Volkland das Musikleben nachhaltig geprägt
hat. Obwohl er ausschließlich in Basel wirkte und
eher regionale Bedeutung hatte, bezieht seine Korrespondenz
doch viele andere Musikzentren des deutschsprachigen Raumes
ein und berichtet von den vielfachen Verflechtungen des
damaligen Musiklebens. In diesem Zusammenhang ist bedeutsam,
dass beide Ehefrauen Walters, Josephine Walter-Fastlinger
und insbesondere Anna Walter-Strauß (1846-1936), gefragte
Konzertsängerinnen gewesen sind. In den entsprechenden
Briefen werden vor allem Fragen der Programmgestaltung diskutiert.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen die zahlreichen Äußerungen
zu wichtigen Komponisten, ihren Werken und ihrer Person.
Als Briefschreiber sind dabei u. a. zu nennen: der in Zürich
wirkende Komponist, Dirigent und Brahms-Freund Friedrich
Hegar (1841-1927), der Münchner Musikforscher und Bibliothekar
Joseph Maier (1821-1889) und der Leipziger Komponist, Thomaskantor
und Musiktheoretiker Moritz Hauptmann (1792-1868), als Gegenstand
der Beurteilung und Interpretation Johannes Brahms und Robert
Schumann. Auch von Mendelssohn, Wagner und Verdi ist häufiger
die Rede. Insgesamt handelt es sich um eine wichtige Quelle
zur Musikgeschichte der damaligen Zeit.
|