Lübecker Brahms-Institut präsentiert digitalisierten Nachlass
von Theodor Kirchner

18.01.2016

Das Brahms-Institut an der Musikhochschule (MHL) präsentiert am Mittwoch, 27. Januar um 19 Uhr den digitalisierten Nachlass des Komponisten Theodor Fürchtegott Kirchner. Damit hat das Lübecker Institut  einen weiteren Meilenstein der Digitalisierung seiner Sammlung erreicht.

Staatssekretär Rolf Fischer, Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger und Projektmitarbeiter Dr. Fabian Bergener geben Einblick in das Projekt und erläutern aktuelle Digitalisierungsstrategien. Konrad Elser, Ulf Tischbirek und Elisabeth Weber stellen Werke von Theodor Kirchner und eine dem Komponisten gewidmete Violinsonate von Max Reger vor. 

9.000 Einzelseiten aus dem Nachlass des Brahms- und Schumann-Freundes Kirchner wurden über ein Jahr lang bibliothekarisch erschlossen und digitalisiert. Das Land Schleswig Holstein ermöglichte das Projekt durch eine Förderung in Höhe von 100.000 Euro. Einen besonderen Schatz stellen dabei die von Kirchner mit zahlreichen handschriftlichen Eintragungen versehenen Erstdrucke seiner eigenen Kompositionen dar. Auch Autographe seiner Werke, Skizzen und Lebensdokumente wie Briefe, ein Zigarettenetui und ein Notizbuch gehören zum bedeutenden Nachlass. Institutsleiter Wolfgang Sandberger: »Der Nachlass von Theodor Kirchner verdeutlicht, dass die Sammlung des Brahms-Instituts vielfältig über den Namenspatron hinaus reicht und interessante Kontexte für musikhistorische Fragestellungen bietet«.

Theodor Fürchtegott Kirchner (1823–1903) gehört zu den produktivsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Neben einigen Liedern, einem ambitionierten Streichquartett und kleineren Kammermusikwerken widmete er mit über 1.000 Einzelstücken den größten Teil seines umfangreichen Schaffens dem Klavier. Seine Klavierstücke beschrieb Brahms als »das Zarteste vom Zarten«. Bestimmend für Kirchners musikalischen Weg war die Begegnung und Freundschaft mit Robert Schumann, der 1843 sein Opus 1 wohlwollend besprach und ihn 1853 in seinem berühmten Artikel »Neue Bahnen« zu den »hochaufstrebenden Künstlern der jüngsten Zeit« rechnete. Bereits als Fünfzehnjähriger wurde er Schumann und Mendelssohn vorgestellt, die vom Talent Kirchners beeindruckt waren. 1843 trat er als erster Schüler mit der »Matrikelnummer 1« in das neugegründete Leipziger Konservatorium ein. Mit der jung verwitweten Clara Schumann verband ihn über mehrere Jahre eine enge Liaison. Ein Umstand, über den auch ein goldener Füllfederhalter von Robert Schumann in Kirchners Nachlass gelangte. In seinen späteren Lebensjahren wohnte Kirchner krank und verarmt  in Hamburg, wo er 1903 starb und auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt wurde.

Über Kirchners letzten Klavierschüler Conrad Hannss gelangte der Nachlass in die Sammlung Hofmann und damit 1991 in das Brahms-Institut. Dank der großzügigen Finanzierung durch das Land Schleswig-Holstein konnte er durch die Firma Dematon digitalisiert werden und bietet künftig wertvolle Informationsquellen für Interpreten und Musikwissenschaftler, ohne dass die wertvollen Originale in Anspruch genommen werden müssten.

Im Anschluss an die Veranstaltung werden die Digitalisate freigeschaltet und der interessierten Öffentlichkeit über die Webseite des Brahms-Instituts frei zugänglich gemacht: www.brahms-institut.de. Die Präsentation findet am Mittwoch, 27. Januar um 19 Uhr in der Villa Brahms (Jerusalemsberg 4) statt. Der Eintritt ist frei.

Medien / Downloads


Theodor Kirchner (1823?1903)
Fotografie im Kabinettformat,
Hamburg o. J.