Neu-Erwerbung des Brahms-Instituts

27.03.2015

Bei der Autographen-Auktion von J. A. Stargardt am 24. März 2015 in Berlin hat das Brahms-Institut Lübeck das vollständige Autograph des Liedes »Agnes« op. 59, Nr. 5 von Johannes Brahms erworben. Das der Musikhochschule Lübeck angegliederte Institut erhielt den Zuschlag für insgesamt 70.000 €. Ermöglicht wurde die Erwerbung durch das Engagement der Elfriede Dräger-Gedächtnis-Stiftung sowie der Possehl Stiftung Lübeck.

Das Lied »Agnes« nach einem Text des Dichters Eduard Mörike entstand im Frühjahr 1873. Bei dem insgesamt 3 ½ Seiten umfassenden Manuskript handelt es sich um eine Reinschrift von Johannes Brahms. Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger: »Die Erwerbung fügt sich bestens in das Profil unserer Sammlung und bietet einzigartige Blicke in die Komponistenwerkstatt von Brahms. Der kompositorische Clou des Liedes im Volkston liegt in der kunstvollen Konstruktion des stets wechselnden Metrums von 3er und 2er Takt. Die rhythmischen Verfeinerungen von Brahms sind in der Handschrift eindrucksvoll nachvollziehbar.« Es handelt sich um das einzig erhaltene Autograph dieses Liedes, das aus der Schweizer Sammlung von Louis Koch stammt.

Mörikes Gedicht ist im Sommer 1831 entstanden; noch ohne Titel wurde es erstmals in seinem 1832 erschienenen Roman Maler Nolten gedruckt. Dort wird es von Agnes, der weiblichen Hauptfigur des Romans, vorgetragen: »Rosenzeit! Wie schnell vorbei«. Männliche Untreue und weibliche Verlassenheit bilden die Thematik. Agnes, die verlassene Geliebte, erinnert sich ihrer verlorenen Liebe und wird sich so der Untreue ihres Geliebten und der eigenen Verlassenheit bewusst. Johannes Brahms hat Mörikes Volkston in seiner 72 Takte umfassenden Vertonung aufgegriffen. Am 3. Oktober 1873 schickte er »Agnes« im Verbund mit weiteren Liedern des op. 59 zur Veröffentlichung an seinen Verleger Rieter-Biedermann in Winterthur mit der Bemerkung, es handele sich um »einige besonders liebliche, empfehlenswerte, angenehme, nur stellenweise diffizile, moralische, gottesfürchtige, kurz ›Lieder‹ prima Sorte.«

Das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck wurde 1991 gegründet und besitzt eine der bedeutendsten Brahms-Sammlungen weltweit. Immer wieder sind zuletzt kostbare Erweiterungen der Sammlung gelungen. Dazu gehört neben zahlreichen Briefen etwa die Erwerbungen der Handschriften zu den Liedern »Liebesgluth« op. 47, Nr. 2, und »Der Überläufer« op. 48, Nr. 2 sowie die Schenkung des Nachlasses von Renate Wirth mit den Teilnachlässen der Brahms-Vertrauten Julius Stockhausen und Emanuel Wirth.

Medien / Downloads


Johannes Brahms: 1 egh. Liedmanuskript »Agnes v. Ed. Mörike« S. 1/3