13. Dezember 2012 | Lübecker Nachrichten
Das zweite Leben eines Flügels
Das Brahms-Institut bekam einen wertvollen Blüthner von 1856 geschenkt

Von Konrad Dittrich

Lübeck - Ein fast historisches Ereignis: Im Brahms-Institut wurde ein Instrument eingeweiht, das schon eineinhalb Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Margarete und Hartmut Gothe schenkten der Einrichtung einen Blüthner-Flügel aus dem Jahre 1856. Sein Platz wird im Musikzimmer von Johannes Brahms in der Villa Brahms sein. Dort aber soll er nicht verstauben, er soll möglichst oft erklingen, sagte Wolfgang Sandberger, Professor für Musikwissenschaft und Leiter des Brahms-Instituts bei der feierlichen Übernahme.

Hartmut Gothe kennt zwar Details aus der Vergangenheit des wertvollen Instrumentes. Er wolle an einem Ort, an dem wissenschaftlich gearbeitet werde, jedoch keine Märchenstunde veranstalten, sagte er. Für manche Geschichte gebe es nämlich keinen Beleg. So viel aber wurde verraten: Vom Salär des Schweriner Domorganisten habe sich sein Vater den Flügel nicht leisten können, das Instrument habe dieser sich anderswo »erspielt«. Gothe wünschte dem Instrument ein gutes »zweites Leben«.

Musikalisch gehörte der Abend Johannes Brahms. Wenige Tage vor dem Ende der großen Ausstellung zum »Deutschen Requiem« - sie endet an diesem Sonnabend - erklang eine Kostbarkeit: die Klavierfassung des Requiems zu vier Händen. Sandberger wies darauf hin, dass Brahms diese Fassung auf Bitten seines Verlegers selber erstellt hat, fürs Musizieren im Salon gedacht. Das Requiem sei keine Totenmesse, sondern eine Trauer und Trostmusik, die auch im weltlichen Raum Platz habe.

Zwei Brüder spielten in der Villa die vierhändige Fassung: Hans-Peter und Volker Stenzl leuchteten das Werk facettenreich aus, ließen die Stimmungen zwischen den Posaunen des Jüngsten Gerichts und den lieblichen Wohnungen bei dem Herrn Zebaoth deutlich werden. Die Abschnitte aus der Bibel, die Brahms selber ausgewählt hatte, las Wolfgang Sandberger.

Schon nach wenigen Takten verliebt der Hörer sich in den vollen, warmen Klang des Instrumentes. Manche Abschnitte, die man als Chorsatz im Ohr hat, klangen, als habe eine Singgemeinschaft mehr Männer- als Frauenstimmen. Sandberger war sich sicher: Auch dem instrumentenkritischen Brahms hätte die Mittellage mit »goldenem, honigfarbenem Klang« gefallen.

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