25. Juli 2012 | Lübecker Nachrichten
»Ich will euch trösten«
Der Komponist und sein Requiem

von Jürgen Feldhoff

Lübeck - Mit seinem »Deutschen Requiem« schaffte der 34 Jahre alte Johannes Brahms endgültig den Durchbruch als international bekannter Komponist. Nach der Uraufführung im Bremer Dom am Karfreitag 1868 wurde das Requiem in vielen Städten aufgeführt und machte Brahms berühmt. Dieses Schlüsselwerk des 19. Jahrhunderts ist Gegenstand einör bemerkenswerten Kooperation des Schleswig-Holstein Musik Festivals und des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck. Wenn am Sonnabend das Requiem in der MuK unter Leitung von Rolf Beck aufgeführt wird, sind im Brahms-Institut bereits ein wissenschaftliches Symposium und eine hochkarätige Ausstellung zum Thema eröffnet worden. »Ich bin sehr froh, dass es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist«, sagt Wolfgang Sandberger, Leiter des Brahms-Instituts. »In unserer Sammlung befinden sich wichtige Stücke zur Geschichte des Requiems, darunter als besonderes Glanzstück der Autograph des fünften Satzes. Dazu erhalten wir noch wichtige Exponate aus Wien. So können wir Entstehung, Rezeption und auch die Legendenbildung um das Requiem anhand von Originalen dokumentieren.«

Eine Besonderheit wird den Besuchern im Wintergarten der Villa Brahms geboten. Die Künstlerin Regina Reim aus Speyer hat, nachdem sie 1998 erstmals das »Deutsche Requiem« gehört hatte, einen Zyklus von 51 Gemälden geschaffen, die sich auf Brahms' Komposition beziehen. In den Bildern spielt der Kreis in verschiedensten Variationen eine besondere Rolle. Regina Reim: »Der Kreis ist nicht zu durchbrechen, denn er führt von der Geburt bis zum Hinscheiden«- und das ist letztlich ein Element der Tröstung, der wichtigsten Aussage des Texte des Requiems.

»Der Protestant Johannes Brahms hat ein Werk geschrieben, dessen vertonte Texte sich grundsätzlich von denen der katholischen Totenmesse unterscheiden«, sagt Wolfgang Sandberger. »Brahms hat sich bei der Auswahl seiner Bibelstellen an keine liturgische Reihenfolge gehalten, er hat seine Texte unter dem Motto der Tröstung ausgesucht. Sein deutsches Requiem' ist keine Messe für einen Toten, sie wendet sich an die Lebenden.«

In der Ausstellung wird auch beschrieben, wie das Brahms'sche Requiem zum Gedenken an die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 Gefallenen benutzt wurde. »Man hat das Halleluja aus Brahms' ,Triumphlied« in das Requiem eingefügt, so wurde aus dem Requiem eine Art patriotische Hymne. Das ,Requiem' ist offen für derartige Interpretationen und Interpolationen -ein offenes Kunstwerk.«

Die Rezeptionsgeschichte, aber auch das Problem der Fassungen des Requiems sind zwei der Themen des wissenschaftlichen Symposiums, das am Sonnabend von 10 bis 13 Uhr im Brahms-Institut stattfindet. Führende Brahms-Experten werden das Requiem aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchten.

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