Der Katalog zur Ausstellung ist über den Shop erhältlich.

»Konstellationen – Mendelssohn und Brahms«

Eröffnung: 4. Juli 2014   >> Impressionen

Mit der Ausstellung »Konstellationen – Mendelssohn und Brahms« stellt das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck zwei der erfolgreichsten Komponisten des 19. Jahrhunderts gegenüber. Zu den 70 hochkarätigen Exponaten gehören zwei Mendelssohn-Aquarelle, das Autograf einer Mendelssohn-Motette aus dem Nachlass von Brahms sowie zum Teil unveröffentlichte Briefe, Fotografien und Programmzettel. Die Schau begleitet den Mendelssohn- Schwerpunkt des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2014. Der Dirigent, Musikwissenschaftler und diesjährige Siemens-Musikpreisträger Peter Gülke (Weimar) eröffnete die Ausstellung mit einem Vortrag zu Mendelssohn und Brahms.

Felix Mendelssohn (1809–1847) und Johannes Brahms (1833–1897) gehören zu den führenden Komponisten ihrer Zeit. Die Schau zeigt die zahlreichen Querverbindungen zwischen den beiden gebürtigen Hamburgern und spürt damit einer Komponisten-Konstellation nach, die bislang kaum in den Blick genommen worden ist. Nach Mendelssohns Tod 1847 erlebte der junge Brahms den Nachruhm Mendelssohns im Freundeskreis um Robert Schumann unmittelbar. Zahlreiche Exponate dokumentieren diese Beschäftigung mit Mendelssohn im Schumann-Kreis.

Darüber hinaus widmet sich die Ausstellung weiteren Mendelssohn-Erfahrungen, die Brahms in seiner Tätigkeit als Pianist, Dirigent, Komponist und Sammler gemacht hat. Dazu Wolfgang Sandberger: »Bei allen Unterschieden in Temperament, Lebensumständen und Karriere gibt es doch verblüffende Gemeinsamkeiten. Dazu gehört die gemeinsame Begeisterung für die Musik der Vergangenheit. Wir zeigen als kostbare Leihgabe der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien das Mendelssohn-Autograf der Motette ›Mitten wir im Leben sind‹. Das Autograf hat Brahms einst besessen und hat das Werk 1864 auch aufgeführt.«

Dass Brahms Mendelssohn in vielfacher Hinsicht schätzte, zeigt ein mehrfach überliefertes Bonmot von 1874: »Alle meine Werke gäbe ich drum, wenn ich eine Ouvertüre wie die Hebriden von Mendelssohn hätte schreiben können.«

Weitere Aspekte der Ausstellung sind unter anderem die Schweiz-Begeisterung, die beiden Komponisten als Inspirationsquelle diente sowie ihr Verhältnis zu Richard Wagner und zur Gattung Oper. So zeigt die Ausstellung unter anderem Wagners Schrift über Das Judentum in der Musik, in der er den Komponisten 1850 denunziert. Auch gegen Brahms und dessen »Enthaltsamkeitskirche«, in der nur stets nur Kammermusik gespielt werde, polemisierte er. Die Exponate zu Mendelssohns gescheitertem Opernprojekt »Loreley« nach Texten des Dichters Emanuel Geibel verweisen gar nach Lübeck.

Unter Leitung von Wolfgang Sandberger veranstaltete das SHMF in Verbindung mit dem Brahms-Institut am Samstag, 5. Juli, ab 9.30 Uhr im Lübecker Behnhaus auch ein internationales Symposium (>>Infolink) zum Festival-Schwerpunkt. Unter dem Titel »Mendelssohn und die deutsche Musikkultur« näherte sich das Symposium Mendelssohns Wirken als Dirigent, Organisator, Konservatoriumsgründer und Generalmusikdirektor, das ihn zu einem der großen Impulsgeber der deutschen Musikkultur gemacht hat. Ausgewiesene Experten erörterten sein Verhältnis zur Literatur, Malerei und Religion und befassten sich auch kritisch mit Vorurteilen zur Person und zum Werk Mendelssohns, dem nachgesagt wurde, »Bildungsmusik« oder »religiösen Kitsch« zu produzieren. Eine Dokumentation zu Ausstellung und Symposion ist in der Publikationsreihe des Brahms-Instituts erhältlich (edition text + kritik).

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