»Johannes Brahms– Zeichen, Bilder, Phantasien«

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Als Johannes Brahms 1888 mit seinem Freund Joseph Victor Widmann eine Musik-Ausstellung in Bologna besuchte, in der wertvolle Autographe und alte Instrumente gezeigt wurden, vermisste er das reale Erklingen von Musik und kam zu dem Schluss, »daß eine Kunst, die ganz für's Ohr ist, zur Ausstellung für's Auge sich am wenigsten eignet.«

In unserer »Musik-Ausstellung« haben wir daher vier Hörstationen eingerichtet, die in enger Beziehung zu den Exponaten stehen, diese durch Klangbeispiele versinnlichen und »für's Ohr« aufbereiten: So kann man z.B. den fünften Satz Ihr habt nun Traurigkeit aus dem Deutschen Requiem hören und gleichzeitig im Brahmsschen Manuskript des Klavierauszugs mitlesen.

Eine andere Station rekonstruiert die Uraufführung der ersten Symphonie 1876 in Karlsruhe: Die zu hörenden Werke entsprechen hier der Programmfolge des gezeigten originalen Konzertprogramms:

Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 2
C-Dur op. 72

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Daniel Harding
2. Carl Maria von Weber: Euryanthe
Nr. 5: Kavatine

Jessye Norman, Sopran; Staatskapelle Dresden, Marek Janowski

Erste Symphonie - Rekonstruktion der Uraufführung
Der Dirigent der Uraufführung 1876, Otto Dessoff, stellte kaum zufällig ein Werk Beethovens an den Anfang des Karlsruher Konzerts: die zweite Leonoren-Ouvertüre op. 72, deren Tonart C-Dur einen direkten Bogen zum Finalsatz von Brahms' »Erster« schlägt. Beethoven war das große Vorbild, ihm wollte Brahms mit seinem Erstling nacheifern und bewusst die symphonische Tradition fortsetzen: Der Dirigent Hans von Bülow pries das Werk gar als »Beethovens Zehnte«. Ouvertüre und Symphonie als Eckpfeiler lassen bereits an die Programmgestaltung moderner Symphoniekonzerte denken. Dazwischen die zeittypische Mischung musikalischer Gattungen in unterschiedlichen Stilhöhen: zunächst eine das Sentiment befriedigende Opernarie Webers, die erste Cavatine der Titelheldin aus Euryanthe; es folgt die unterhaltende F-Dur-Serenade Robert Volkmanns, die dem Zuhörer Raum für Entspannung gibt, bevor die lyrische Verinnerlichung des Lied-Blocks mit Brahms- und Schubert-Liedern erneute Konzentration fordert und auf den krönenden Abschluss vorbereitet, die mit Spannung erwartete Novität des Abends: Brahms' erste Symphonie.

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