Der Katalog zur Ausstellung ist über den Shop erhältlich.

»Johannes Brahms – Zeichen, Bilder, Phantasien«

Erste Eröffnung: 27. Januar 2004

Unter dem Titel »Johannes Brahms - Zeichen, Bilder, Phantasien« zeigte das Brahms-Institut einen Querschnitt seiner Sammlung – thematisch gruppiert in acht Abteilungen. Zu sehen sind kostbare und teilweise unveröffentlichte Musikhandschriften, Fotos, Briefe, Konzertprogramme und andere Schätze der Sammlung, darunter auch einige grafische Blätter aus der Brahms-Phantasie von Max Klinger (1857–1920). Dieses grafische Gesamtkunstwerk Klingers hat den Titel der Schau angeregt. Wie in den grafischen Blättern Klingers Bild, Musik und Dichtung zu einer faszinierenden Einheit verschmelzen, soll das Zusammenspiel der verschiedenen Exponate beim Besucher ein offenes Brahms-Bild ergeben, das unserem Wissen um diesen großen Komponisten, aber auch der eigenen Fantasie viele Anknüpfungspunkte bietet.

Hintergrund:
Johannes Brahms war nicht nur ein Ohren-, sondern auch ein Augenmensch, der zu Museen und Ausstellungen eine besondere Affinität hatte. Der Schweizer Schriftsteller Joseph Victor Widmann, der Brahms auf mehreren Italien-Reisen begleitete, berichtet: »Rasch schritt Brahms durch die Galerien; wo er den Schritt hemmte, da konnte man sicher sein, daß ein echtes Kunstwerk hing oder etwas besonders Originelles zu besichtigen sei. Dann winkte er wohl den Begleiter herbei und machte ihn auf irgendeine intime Feinheit des Bildes aufmerksam; manchmal aber auch blieb er vor einem Gemälde lieber allein, weil die Offenbarung reiner, hoher Schönheit ihn leicht zu Tränen rührte.«

Die Exponate der Brahms-Ausstellung wollen und können mit der »Offenbarung reiner, hoher Schönheit« eines Tizian, Raphael oder Michelangelo nicht konkurrieren – bewegend sind sie freilich mitunter auch: Der Blick in das persönliche Adressen-Buch dürfte den Brahms-Liebhaber ebenso berühren wie der Blick auf einen Brisé-Fächer mit Brahms‘ Unterschrift, auf seine Brieftasche, auf von ihm gesammelte Bilder im Visitformat oder gar seine Briefe. Vor allem aber dürften die Musikhandschriften des Komponisten auch das ungeübte Auge faszinieren. Lebendig wird beim Betrachten einer solchen originalen Handschrift jener geheimnisvolle Augenblick, in dem eine Komposition zu Papier gebracht wurde. Der Dichter Stefan Zweig hat diesen Moment eindrücklich beschrieben als »geheimnisvollste Sekunde des Übergangs, da ein Vers, eine Melodie aus dem Unsichtbaren, aus der Vision und Intuition eines Genies durch graphische Fixierung ins Irdische tritt.« Die Schau zeigte dabei auch bislang unveröffentlichte Quellen wie der erst 2002 erworbene Autograf des Liedes Liebesglut op. 47 Nr. 2, das bis dato als verschollen galt.

Präsentation einer Musik-Ausstellung:
Eine Ausstellung, die es in erster Linie mit Musik zu tun hat, hat ihre eigenen Gesetze der Präsentation. Musik ist eine Kunst in der Zeit. Wenn die Töne verklungen sind, bleibt nur die Erinnerung. Sicher lässt sich Musik auch in Noten, Konzertprogrammen, Briefen oder Bildern wie der Brahms-Phantasie von Klinger lesbar und anschaulich machen. Doch ganz ohne die reale klangliche Wiedergabe fehlt in einer Musik-Ausstellung etwas Wesentliches.

Dies war übrigens schon Brahms selbst bewusst, als er 1888 gemeinsam mit dem erwähnten Joseph Victor Widmann die Musik-Ausstellung in Bologna besuchte, in der kostbare Autografe und alte Instrumente gezeigt wurden. In Widmanns Erinnerungen heißt es dazu: »Dergleichen sah man mit Ehrfurcht an, wie der gläubige Katholik Reliquien anschaut, empfand aber zugleich, daß eine Kunst, die ganz für's Ohr ist, zur Ausstellung für's Auge sich am wenigsten eignet.«

Diesem Einwand hat die Ausstellungskonzeption Rechnung getragen. Der Besucher der Brahms-Ausstellung hat nämlich an vier Hörstationen Gelegenheit, Musik zu erleben. Dabei ergibt sich für die Besucher die einzigartige Situation, den fünften Satz aus Ein deutsches Requiem gleichzeitig in der Handschrift des Komponisten lesen und über Kopfhörer hören zu können! Die anderen Hörstationen bieten u.a. eine Rekonstruktion jenes Konzertprogramms, in dem Brahms‘ »Erste« uraufgeführt worden ist, zudem Kostbarkeiten und Raritäten aus der Feder des Brahms-Freundes Theodor Kirchner oder – als Einstieg – einige der prominentesten Werke des Komponisten. Sogar der Brahms-Freund und exzellente Geiger Joseph Joachim ist noch mit einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1903 vertreten!

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Zeichen, Bilder, Phantasien (2004)
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