|
|
Auch Johannes Brahms musste sich an der Musik Beethovens
messen lassen, wollte er als Komponist von Sinfonien, Kammermusik
oder Klaviersonaten ernst genommen werden. Der Blick in
sein Wiener Musikzimmer zeigt, dass er das verehrte Vorbild
stets im Nacken' hatte, wenn er am Klavier saß
und komponierte. Dabei war der große Wiener Klassiker
für Brahms nicht allein inspirierender Ansporn, sondern
auch Last. Die Ausstellung "Fixstern Beethoven"
präsentiert begleitend zum Brahms-Festival der Musikhochschule
herausragende Exponate der Lübecker Sammlung. Zu den
gezeigten Quellen gehören ein autographer Beethoven-Brief,
die Partitur der achten Sinfonie aus Brahms' Besitz, Hans
von Bülows "musikalisches Glaubensbekenntnis"
sowie Programmzettel und Fotografien.
Die Schau lenkt den Blick zunächst auf Brahms' erste
Sinfonie, mit der sich der Komponist schwer tat. Unter dem
belastenden Vorbild Beethovens wurde ihm das Werk zu einer
"Sache auf Leben und Tod". Der Dirigent Hans von
Bülow war dann aber von der "Ersten" so begeistert,
dass er sie als "Beethovens Zehnte" feierte. Mehrfach
ist Brahms als Beethoven-Interpret in Erscheinung getreten.
Programmzettel dokumentieren seinen Einsatz als Pianist
und Dirigent für die Werke des verehrten Meisters.
Dem Engagement von Liszt und Schumann war es zu verdanken,
dass 1845 - zum 75. Geburtstag Beethovens - endlich das
erste Beethoven-Denkmal eingeweiht werden konnte. Dem Bonner
Denkmal Ernst Hähnels wird Schumanns musikalisches
"Monument für Beethoven" - die Fantasie op.
17 - gegenüber gestellt, die Brahms bei seinem ersten
Wiener Konzert im November 1862 als Pianist selbst aufführte.
Der Vitrinenschrank gibt einen Überblick über
die Beethoven-Bildnisse im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert:
Von der ersten Portrait-Büste Franz Kleins (1812),
die den 42-jährigen Komponisten zeigt, über das
Wiener Denkmal von Caspar von Zumbusch (1880) bis hin zum
spektakulären "Beethoven" von Max Klinger,
der den Komponisten als Künstlergenie feiert: Die farbige
Skulptur ist im Wintergarten überlebensgroß auf
ein Banner gedruckt. Anlässlich ihrer ersten Präsentation
im Rahmen der Wiener Sezession von 1902 hatte Gustav Klimt
extra seinen berühmten Beethoven-Fries geschaffen,
und Gustav Mahler dirigierte Teile aus Beethovens Eroica
und der neunten Sinfonie.
[Stefan Weymar M. A.]
|