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Konfrontationen

Johannes Brahms und Frankreich

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 verfestigt die Idee einer ›Erbfeindschaft‹ zwischen den beiden Nachbarländern. Frankreich wird durch die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles ebenso gedemütigt wie durch die triumphale Siegesparade am 1. März 1871 auf den Champs-Élysées. Das Triumphlied op. 55 von Brahms ist nach eigenen Worten eine seiner »politischen Betrachtungen über dies Jahr«.

Das Verhältnis des Hamburgers zu Frankreich und zur französischen Musikkultur ist indes weitaus differenzierter, wie die Exponate der Ausstellung »Konfrontationen – Brahms und Frankreich« erstmals zeigen:

So bewundert der »tiefsinnig-deutsche« Brahms den Wahlfranzosen Chopin. Seine Bearbeitung der Chopin-Etüde op. 25 Nr. 2 ist im Autograf zu sehen. Dieses Autograf stammt wie viele andere wertvolle Leihgaben aus der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, mit der die Ausstellung in enger Kooperation realisiert wurde.

Brahms, der nie eine Oper komponierte, schwärmt zudem für die Carmen von Georges Bizet, die er »eine ganz besondre Geliebte von mir« nennt. Schon im Dezember 1853 trifft der junge Brahms Hector Berlioz in Leipzig. Zu den Schätzen der Brahms-Bibliothek gehört später ein Autograf sowie die Instrumentationslehre des Franzosen Berlioz sowie die monumentale Biografie Hector Berlioz von Adolphe Jullien aus dem Jahr 1888.

Umgekehrt belegen Konzertprogramme und französische Brahms-Ausgaben etwa des Wiegenliedes als Berceuse die Rezeption des Komponisten in Frankreich. Auch von französischen Kollegen wie César Franck oder Charles-Marie Widor wird Brahms als kompositorischer Bezugspunkt wahrgenommen, wie die handschriftlichen Widmungen von Werken und die Begleitbriefe zeigen.


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